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Barrierefreiheit - eine lösbare Aufgabe

Geschrieben von: Barbara Chr. Schlesinger Donnerstag, 10. Mai 2007 15:25

Vortrag zum BFW Immobilienkongress 2007, Arbeitsgruppe Seniorenimmobilien am 10. Mai 2007 von Barbara Chr. Schlesinger


Barrierefreiheit - eine lösbare Aufgabe



Die Entstehung von Normen sollte immer aufmerksam verfolgt werden, da

Es ist daher von erheblicher Bedeutung, dass Normen gemäß den Grundsätzen des Deutschen Instituts für Normung - DIN - aufgestellt werden:

Auch für die Normarbeit zum Barrierefreien Bauen gelten diese Grundsätze. Wie schwer dies für die Normarbeit zum Barrierefreien Bauen ist, werden Sie am Abriss zum Verlauf der Normarbeit, den ich Ihnen jetzt gebe, sehen:

Derzeit bestehende Normen:

DIN 18024-1: 1998-01 Barrierefreies Bauen, Teil 1: Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrs- und Grünanlagen sowie Spielplätze - Planungsgrundlagen

DIN 18024-2: 1996-11 Barrierefreies Bauen, Teil 2: Öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten - Planungsgrundlagen

DIN 18025-1: 1992-12 Barrierefreie Wohnungen; Wohnungen für Rollstuhlbenutzer - Planungsgrundlagen

DIN 18025-2: 1992-12 Barrierefreie Wohnungen - Planungsgrundlagen

Aktivitäten zur aktuellen Normarbeit:

ab Januar 1997

DIN 18030 Barrierefreies Bauen -Planungsgrundlagen und -anforderungen.

Zielsetzung:

Beteiligte: Vertreter der Behindertenverbände, Bund, Länder, Städte und Kommunen, Verbraucher, Architekten

November 2002

1. Normentwurf E DIN 18030
130 Einsprüche
Dieser wird zurückgezogen und die Erarbeitung eines zweiten Normentwurfes vom Arbeitsausschuss beschlossen

Januar 2006

2. Normentwurf E DIN 18030
110 Einsprüche, wobei der Umfang einzelner Einsprüche noch größer war als 2002

Jan. bis Dez. 2006

Einsprecher wie der Deutsche Städtetag, die Bundesvereinigung der Arbeitgeber, die Bundesarchitektenkammer lehnen den zweiten Entwurf ab und empfehlen die Einstellung der Normarbeit. Diesem Votum schließt sich der BfW und in der weiteren Entwicklung die in der Aktion "Impulse für den Wohnungsbau" zusammengeschlossenen Verbände der Bau- und Wohnungswirtschaft an. Andere Einsprecher befürworten die Norm, z.B. die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, VdK u.a.

Bedenken und Schwierigkeiten:

Nov. 2006 bis Feb. 2007

Die beabsichtigte Zusammenfassung der DIN 18024 und DIN 18025 zu einer Norm wird vom DIN nach Veröffentlichung von zwei Norm-Entwürfen zur DIN 18030 als gescheitert erklärt.

Februar 2007

Ein neuer Normauftrag wird erteilt: Unter Berücksichtigung der DIN 18024 und DIN 18025 sollen Normen zu den Themen

erarbeitet werden.

Anforderungen an Wohnheime und Beherbergungsstätten sowie Arbeitsstätten sind nicht mehr Bestandteil der Normarbeit.


Anforderungen an Öffentliche Verkehrsanlagen - hierzu zählen auch öffentliche Außenanlagen - sind zurückgestellt, da diese lt. BGG nach Maßgaben einschlägiger Rechtsvorschriften des Bundes zu gestalten sind. Eine Klärung durch die Bundesregierung ist abzuwarten.


Folgende Maßgaben bilden außerdem die Grundlage für den neuen Normauftrag:

Es wird eine neue Norm-Nummer erteilt. Die Normentwürfe müssen bis zum Februar 2008 vorliegen.

seit Februar 2007

Der Normausschuss arbeitet. Eine Überprüfung, ob alle interessierten Kreise angemessen vertreten sind, findet statt.

Erste Gliederungsvorschläge lassen hoffen, dass klarere, anwenderfreundliche Normen entstehen.

Für Wohnungen - also auch Seniorenimmobilien - wird man die meisten Anforderungen der DIN 18025 wieder finden. Die Rollstuhlgerechtigkeit wird weiterhin ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal für die Wohnungstypen bilden. Neu ist die Berücksichtigung von sensorischen Anforderungen. Entscheidend für die Immobilienwirtschaft wird sein, inwieweit auch das Anforderungsniveau einer "barrierearmen" Wohnungen in der Normung Berücksichtigung findet. Hier gibt es noch einigen Diskussionsbedarf. Die Entwicklungen der nächsten Monate sind abzuwarten.

Es gibt noch viel zu tun. Zu hoffen bleibt, dass es nach über 10-jähriger Arbeit und heftigen Diskussionen zur Barrierefreiheit tatsächlich gelingt, bis Februar 2008 konsensfähige Normentwürfe vorzulegen. Dies wäre ein großer Erfolg und ein wesentlicher Schritt, gesellschaftlichen Konsens herzustellen. Insofern hätte die Normung Anfang 2008 ihre Aufgabe erst einmal gelöst.

Aus der bisherigen Normarbeit lässt sich aber auch noch eine andere Erfahrung mitnehmen: Nämlich, dass es kein allumfassendes Schema für alle Menschen - ob mit Behinderung (Frage: welche?), alt oder jung, klein- oder großwüchsig geben kann. Die Bedürfnisse und Wünsche an Wohnungen sind gerade bei Einschränkungen - körperlicher, aber auch geistiger Art - sehr individuell, können sich sogar widersprechen. Studien zu den Wohnbedürfnissen älterer Menschen zeigen, dass im Wesentlichen neben dem Wunsch nach einem Aufzug im Geschosswohnungsbau am häufigsten der Wunsch nach Schwellenfreiheit, z.B. im Bad und beim Ausgang zu Balkon oder Terrasse, genannt wird.

Viel entscheidender werden die Antworten auf folgende Fragen sein:


Barbara Chr. Schlesinger 10.05.2007